Kerala - Indien · Etappe 2 von 2

Wayanad per Drahtesel

08.09.2026 · Indien

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2 Wayanad

2.1 Fahrt von Bangalore nach Wayanad

2.1.1 Mysuru Dasara

Bei unserer Ankunft findet in Karnataka ein großes spirituelles Festival statt. Zehn Tage lang dauert die Feier und gerne hätten wir unseren ersten Stopp in Mysore eingelegt. Doch zu spät hatten wir davon erfahren und Tausende kamen vor uns, um sich die besten Unterkünfte zu ergattern. Die Suche nach einem annehmbaren und bezahlbaren Quartier stellte sich bald als hoffnungsloses Unterfangen heraus. Auch die meisten Tickets für die verschiedenen Shows sind bereits ausverkauft. Wir entscheiden uns daher dafür, direkt nach Wayanad zu fahren. Nur am Rande bekommen wir in Bangaluru ein wenig von der Festival Stimmung mit. Geschmückte Autos und Busse, überall werden Melonen - Buddha weiß warum - auf die Straße geworfen, die Stimmung in der Stadt ist ausgelassen. Wir verpassen nicht nur die Elefantenparade zum spektakulär beleuchteten Palast, sondern auch die zahlreichen anderen Darbietungen, mit denen hier der Sieg vom Guten über das Böse gefeiert wird. Aber vielleicht habt ihr dieses besondere Ereignis jetzt auf dem Schirm, falls ihr euch dazu entschließen solltet, den Süden Indiens zu besuchen. 😊


2.1.2 Zeit ist relativ

Diese Aussage lies uns annehmen, dass die Uhren hier etwas langsamer ticken. Weit gefehlt, schneller ticken sie. Zwischen zehn und elf sollte unser Auto gebracht werden. Überrascht schrecken wir hoch, als das Telefon bereits 8:00Uhr läutet und der Herr an der Rezeption uns verkündet, es ständen drei Männer für uns vor der Tür. Tatsächlich war der Vater des Mannes einer Kollegin meines Mannes, welcher in Indien lebt, gemeinsam mit zwei Freunden den ganzen Weg von Kochi nach Bangaore gefahren, um uns sein Auto zu bringen. In Deutschland ist es wohl kaum denkbar, dass Leute zehn Stunden fahren, um einer völlig fremden Familie ihr Auto zu bringen. Indien hat schon jetzt einen Platz ganz weit oben auf unserer Sympathieliste erobert.

In Indien herrscht Linksverkehr, womit wir absolut kein Problem haben. Auch die Logik hinter den Hupkonzerten hatte man uns bereits im Vorfeld erklärt.

Einmal hupen heißt: Achtung ich überhole!

Zweimal hupen ist die Antwort: alles klar, ich sehe dich!

Mit dreimaligem Hupen bedankt sich der Überholende, dass er vorbei fahren durfte.

Also alles kein Problem. Warum aber im Stau oder an Baustellen hinter einem gehupt wird, das konnten wir nicht herausfinden. Aber der Gedanke "hupen verleiht Flügel", will meinen Kopf heute nicht mehr verlassen 🤣

Hupen heißt aber auch, Vorsicht, ich nehme dir jetzt einfach die Vorfahrt, pass auf, dass du mich nicht umfährst oder, fahr mal ein Stück zur Seite, ich will da jetzt durch, auch wenn es platztechnisch unmöglich ist, diese Engstelle zu zweit zu passieren: hupen machts möglich. Wenn sich dann die eh schon knapp bemessene Straße plötzlich unter dem ganzen Grünzeug am Rand noch einmal schlagartig um 15 Zentimeter zusammen zieht, passiert das, was man im Foto sieht. Doch die Inder sind hilfsbereit. Sofort ist eine ganze Mannschaft zur Stelle, um unserem Vehikel wieder auf die Fahrbahn zu helfen.

Missgeschick unsererseits

Das Missgeschick ist uns im Übrigen 200 Meter vor der Einfahrt in unsere nächste Unterkunft passiert. 😒


2.2 Ein hartes Los!

Das Malheur mit dem Auto gerade hinter uns gelassen, erreichen wir mit fast leerem Tank unser Ziel. Doch nur, um zu erfahren, dass das Hotel überbucht ist und wir entweder die erste Nacht in einer fensterlosen Lehmhütte auf dem Hotelgrundstück oder im fünfzehn Minuten entfernten Mystery Maze Resort & Spa mit kostenlosem Upgrade auf die Poolvilla verbringen könnten.

So reizvoll gemütlich und authentisch die Lehmhütte auch klingt, wir entscheiden uns schweren Herzens dann doch für die Poolvilla und folgen dem Auto des Portiers vom Kuruva Isles Jungle Resort zu unserem Ersatz Domizil.

Pool im Hotelzimmer

Tja, was soll ich sagen: der Pool ist zwar eiskalt, dafür dass draußen tropische Temperaturen herrschen, aber tatsächlich mitten im Zimmer.

Memo an mich: Augen auf beim nächtlichen Toilettengang, sonst wird es schnell feucht!

Aber feucht wurde es sowieso. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, haben wir das Gefühl, im Inneren eines Terrariums zu wohnen. Die Scheiben sind beschlagen, Wasser läuft am Poolfenster herab. Aber wir lieben die tropisch Luftfeuchtigkeit und haben wunderbar geschlafen.

Nach dem Frühstück werden wir auch schon erwartet und zurück ins eigentlich gebuchte Hotel eskortiert.


2.2 Wayanad per Drahtesel

Wayanad im Norden Keralas ist der Inbegriff des ursprünglichen, ungezähmten Südindiens. Abseits der klassischen Touristenpfade finden wir hier ein Paradies aus dichten Dschungelgebieten, nebligen Bergen und endlosen grünen Reisplantagen. Wer die Region wirklich spüren möchte, schwingt sich aufs Fahrrad. Den die sind hier mindestens genauso ursprünglich, wie die Region, in der wir uns hier befinden. 🤦‍♀️

Im Kuruva Isles Jungle Resort im ländlichen Chekad spürt man eine tiefe Verbundenheit zur Natur: Wir übernachten hier in traditionellen, rustikalen Hütten, die sich harmonisch in die tropische Landschaft einfügen. Unsere Hütte besteht aus Naturmaterialien wie Holz und Bambus, bietet gemütlichen Komfort und der Blick von der Veranda geht direkt auf den, mitten im Grünen gelegenen Pool.

Bevor wir die Mountainbikes für die Tour abholen, gönnen wir uns in genau diesem erst einmal eine kurze Erfrischung. Und hier zeigt sich der Dschungel von seiner charmantesten Seite: Auf einem der bunten Schwimmringe, die träge im Wasser treiben, hat es sich ein zweifarbiger Malabar-Frosch gemütlich gemacht. Er blinzelt entspannt in die Morgensonne und genießt sichtlich den Luxus des Resorts. Ein perfekter Schnappschuss und der Beweis, dass Mensch und Tier hier im absoluten Einklang leben! Nach einem traditionell keralitischen Frühstück brechen wir schließlich auf.

Unsere kleine Radtour startet direkt an dem ganz besonderen Rückzugsort inmitten der Natur, in dem wir derzeit nächtigen, denn hier werden die Drahtesel vermietet, und führt uns zu den traditionellen Bambusflößen von Kuruva Island (Kuruvadweep).

  • Durch die Reisfelder von Chekadi

Die ersten Kilometer rollen wir über die schmale, asphaltierte Dorfstraße. Chekadi ist bekannt für seinen traditionellen Reisanbau. Links und rechts der Straße erstrecken sich saftig grüne Felder, auf denen wir den Bauern mit ihren Wasserbüffeln bei der Arbeit zusehen können.

Spaziergang durch die Reisfelder

  • Der Ruf des Dschungels:

Je näher wir dem Kabini-Fluss kommen, desto dichter wird das Blätterdach. Die Straße schmiegt sich an die Ausläufer des Begur Reserve Forest. Das Summen der Zikaden, das ferne Rufen von Makaken und das Zwitschern exotischer Vögel begleiten jeden Tritt in die Pedale. So oder so ähnlich hatten wir uns das vorgestellt. Tatsächlich ist jeder Tritt in die Pedale so mühsam, dass wir stellenweise nicht oder nur in Schlangenlinien von der Stelle kommen. Die Räder haben ihre beste Zeit längst hinter sich. Aber wer sein Fahrrad liebt, der schiebt, auch wenn das eben bedeutet, dass wir nun zu Fuß in einem Nationalpark unterwegs sind, in welchem nicht nur Äffchen unterwegs sind, sondern auch wilde Indische Elefanten und ähhh... sehr beruhigend, das Schild!

Warnhinweis des Kerala Forest und Wildlife Department

Nach einer guten Dreiviertelstunde eher wenig gemütlichen Radelns, erreichen wir den offiziellen Einstiegspunkt Kuruwadweep Bamboo Rafting am Ufer des Kabini-Flusses.

Bamboo Rafting

Hier parken wir die Fahrräder. Die Bootsfahrt lassen wir aus, weil sie uns nicht so spektakulär erscheint. Dafür haben wir Spaß daran, mit den vielen kleinen Äffchen am Ufer zu Shakern.

Die Flößer steuern die Konstruktionen mit langen Holzstangen geschickt über die sanfte Strömung des Flusses zu den unbewohnten Inseln von Kuruvadweep. Lautlos gleiten die Boote an uns vorbei, während wir schimmernde Schmetterlinge, verrückte Vögel und grazile Geckos beobachten. Dann machen wir uns auf den Weg, zurück zu unserem Freund Frosch.


2.3 Abendspaziergang

Nach dem köstlichen Abendessen, das uns in unserer Unterkunft zubereitet wurde, machen wir noch einen kleinen Verdauungsspaziergang ums Dorf. Auf der Karte entdecken wir eine Abkürzung zum Sportplatz und finden, dass es eine gute Idee ist, uns den mal kurz anzuschauen. Die Abkürzung: 1/3 Matsch 1/3 Müll 1/3 Unrat - hätte auch gut sein können. Wenigstens haben meine Beiden ein paar Schuhe angezogen 🙈

Traumhafte Abkürzung am Abend - barfuß

Trotzdem kommen wir unbeschadet auf dem Hügel an, ohne vorher mit der Kirche ums Dorf spaziert zu sein.

Ein paar Jugendliche überholen uns lachend, während sie einen Fußball hin und her jonglieren. Sie haben dann wohl den gleichen Weg, wie wir. Und tatsächlich stehen wir kurz darauf auf einem Fußballplatz, auf dem sich nicht nur Menschen, sondern auch Kühe und Wasserbüffel die Zeit vertreiben.

Tierisch guter Fußballplatz, im Hintergrund die "Schnüre" zur Elefantenabwehr

Schon auf der Fahrt hierher, haben wir uns immer wieder gefragt, was es mit den Schnüren auf sich hat, die vielerorts links und rechts neben der Straße zu sehen sind. Heute finden wir heraus, dass es keine Schnüre sind, sondern Drähte. Abends nach 19Uhr wird Strom darauf gelegt, um die Dorfbewohner vor nächtlichen Überraschungsbesuchen durch Elefanten zu bewahren.

So spät ist es noch nicht und wir gehen, genau wie die Einheimischen, durch den Elektrozaun zum naheliegenden Fluss. Hier treffen wir auch den Guide aus unserer Unterkunft wieder, der gerade ein paar Touristen über den offiziellen Weg zum Ufer des Kabini River geführt hatte.

Die Dorffrauen beenden eben ihren Waschtag und machen sich auf den Weg nach Hause. Auch wir halten nur kurz die Beine ins kühle Nass, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Abends werden die Moskitos recht aufdringlich und wir sind froh, die Haustür hinter uns schließen zu können.

Gute Nacht, tropisches Paradies!

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