Human Brains – bemerkenswert leistungsfähig aber miserable Benutzeroberfläche

20.08.2026

Human Brains – bemerkenswert leistungsfähig aber miserable Benutzeroberfläche

ADHS und die moderne Hexenjagt – zu viel, zu laut, zu anders – aber trotzdem nicht kaputt!

  1. Was stimmt eigentlich nicht mit mir? – Warum diese Frage bei ADHS vollkommen fehl am Platz ist

Diese ständigen leisen Hintergrundgeräusche im Kopf, dieses Gefühl, als ob du die einzige bist, die keine Betriebsanleitung für das Abenteuer Leben bekommen hat.

“Streng dich halt mal ein bisschen an!”

“Konzentrier dich mal ein bisschen!”

“Man muss sich halt auch mal zu etwas zwingen!”

All diese Sätze höre ich schon mein ganzes Leben lang – und ich hab sie geglaubt. Denn ich habe nicht gewusst. Nicht gewusst, dass mein Gehirn einfach anders funktioniert, nicht bis ich 45 Jahre alt war. Und jetzt wo ich es weiß? Es ändert aber nichts an der Situation, am Gefühl, auf dem falschen Planeten abgesetzt worden zu sein, am Unvermögen der Gesellschaft, mit Neurodivergenz umzugehen.

Das DOPAMIN DILEMMA – ein Motor ohne Benzin

NORMALO Gehirn: Hybridwagen – reguliert seine Energie je nach Situation selbst

ADHS Gehirn: Rennwagen – mit leerem Tank

Dopamin ist die Währung für Motivation und Belohnung, hier herrscht oft gähnende Leere. Das Ergebnis sind zwei Extreme: Blockade vs. Hyperfokus

Alltägliche Aufgaben fühlen sich körperlich unmöglich an, weil das Gehirn dafür kein Dopamin rausrückt.

Spannende Aufgaben oder fast abgelaufene Deadlines dagegen entlocken körperliche Höchstleistungen (Megamarsch – ich habe ein Ziel) oder kognitive Leistungen am Rande zur Genialität (Texte schreiben – das Gehirn läuft auf Automatik). Stundenlang, pausenlos, ohne Essen, ohne schlafen.

Es handelt sich hierbei jedoch nicht um ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern um ein Defizit, die Aufmerksamkeit beliebig zu steuern.

Neurodiversität ist KEIN Euphemismus!

Das Gehirn ist einfach nur anders strukturiert, was keineswegs eine Ausrede ist. Es ist eine neurobiologische Tatsache! Tausende Menschen fühlen tagtäglich genau das gleiche, wie ich. Sie fühlen sich nicht genug, als schwarzes Schaf oder als Außenseiter. Dabei haben sie schlicht und einfach nur ein anders, in vielen Situationen sogar besser verdrahtetes Gehirn. Und ganz ehrlich: um nichts in der Welt möchte ich dieses Gehirn von der Gesellschaft waschen und in soziale Normen und Zwänge hinein manipulieren lassen, denn davon wird es erst krank. Andererseits ist es für die Gesellschaft recht gefährlich, Menschen in ihrem Umfeld zu tolerieren, die ehrlich sprechen, kritisieren, hochsensibel fühlen, was ungesprochen im Raum steht und sich nicht in genormte Schubladen stecken lassen. Menschen, die hinterfragen, statt einfach nur mitzulaufen.

Denn: die Gesellschaft liebt Menschen, die FUNKTIONIEREN, wie eine MASCHINE

Schule – Arbeitswelt – Behörden – Familie – Soziale Regeln

Und überall heißt es: DU MUSST!

Du MUSST pünktlich sein, du MUSST höflich sein, du MUSST früh aufstehen, auch wenn es komplett gegen deinen persönlichen Biorhythmus ist und dich krank macht, du MUSST dich kritisieren lassen und dabei freundlich bleiben, du MUSST dein ganzes Leben für die Gesellschaft opfern, um am Ende zu kaputt zu sein, um die paar Jahre Rente, die dir bleiben genießen zu können. DU MUSST FUNKTIONIEREN.

Das ADHS Gehirn dagegen schreit ganz laut: ich WILL NICHT nach Vorschrift funktionieren, sondern LEBEN. Denn nur, wenn es leben darf, kann es produktiv sein, nur wenn es FREI ist, kann es leben.

Aber deshalb jeder Neurodivergente ein Außenseiter und jeder Außenseiter ein Problem? Oder sind es genau die Leute, die in keine Schublade passen, die neue Wege finden?

Ist jeder Chaot verantwortungslos?

Ist jeder sensible Mensch auch schwach?

Ist impulsives Verhalten immer rücksichtslos?

Ist ein schweigender Mensch weniger sozial?

Was macht Ehrlichkeit eigentlich so problematisch?

Muss Anders sein wirklich repariert oder gar weggesperrt werden?

  • 2. Von Menschen gehasst, von Tieren geliebt.

Ein Tier interessiert sich nicht dafür, ob du funktionierst. Es fühlt: bist du ehrlich? Bist du treu? Bist du gefährlich? Kann ich dir vertrauen? Ein Tier beurteilt nicht nach Leistung oder sozialer Korrektheit. Ein Tier schätzt, was viele Menschen überfordert: Ehrlichkeit und bedingungslose Liebe.

Deshalb funktioniert das Zusammensein mit Tieren in meiner Welt um so vieles besser, als die soziale Interaktion mit Menschen. Reden, zuhören und trösten ohne Worte. Blind vertrauen, blind folgen, mit der Gewissheit, dass es nicht einseitig ist. Ein Tier liebt ehrlich, ist treu und wird dich niemals hintergehen. Hast du sein Herz einmal erobert, wird es von einem Tier niemals gebrochen werden. Es gibt keinen Menschen, der so loyal agiert, wie die Tiere. Dafür liebe ich sie so sehr.

Wenn dich ein Pferd nicht mag, zeigt es dies sofort und unmissverständlich. Damit kann ich leben. Mit Lügen und Intrigen dagegen nicht.

  • 3. Muss sich wirklich immer derjenige ändern, der anders funktioniert?

Auch, wenn ich oft über die wirren Schlingen in meinem Gehirn stolpere und daran verzweifle, habe ich nicht weniger Fähigkeiten, als andere Menschen. Die Fähigkeiten verteilen sich nur anders, es gibt Vorteile und Nachteile aber kein besser oder schlechter.

Wie es sich im Alltag anfühlt?

  • alle Gedanken sind gleich wichtig und laufen in zig verschiedene Richtungen
  • habe ich etwas Interessantes entdeckt, ist die Begeisterung und Motivation grenzenlos
  • der Hyperfokus lässt alles andere aus dem Moment verschwinden
  • extreme Ungeduld und Reizüberflutung als Kontrast
  • Kritik schmerzt mehr, als ein Schlag ins Gesicht
  • Emotionen werden unkontrollierbar
  • Energieüberschuss und völlige Erschöpfung gleichzeitig
  • banale Dinge kosten unglaublich viel Kraft
  • für viele unmögliche Dinge sind unheimlich faszinierend und leichter zu bewältigen, als stupider Alltag

Vielleicht könnten wir ja von den Tieren lernen, andere nicht danach zu beurteilen, wie gut sie in die Welt passen, sondern danach, was in ihnen steckt.

Vielleicht bin ich nicht zu viel, sondern einfach zur falschen Zeit am falschen Ort? Aber wir treffen uns alle wieder. Der Familienkreis der Seelen. Denn jeder von uns ist aus einem bestimmten Grund auf der Erde und das nicht zum ersten und bestimmt auch nicht zum letzten Mal.

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