Taiwan 2024 · Etappe 9 von 9

Taiwan 8 – Kenting

26.07.2026 · Taiwan

8 Taiwan – Kenting
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Tiere in Not · Taiwan
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8.1 Ximending

Mit einem letzten Blick über den Lotussee lassen wir Kaohsiung hinter uns und machen uns auf den Weg in den tieferen Süden Taiwans. Je weiter wir fahren, desto ursprünglicher wird die Landschaft. Hochhäuser weichen Palmen und Palmen einer Küste, welche den Blick immer wieder zwischen schroffen Felsen hindurch auf steile Klippen und einsame Buchten lenkt.

Ursprünglich stand ein Stopp in Donggang auf dem Plan. Dort findet alle vier Jahre das spektakuläre Drachenboot Fest mit dem anschließenden Verbrennen des Bootes statt. Ausgerechnet in diesem Jahr und an diesem Morgen bereits um 5:30 Uhr. Da wir weder übernatürliche Kräfte noch den Wunsch besitzen, den Urlaubstag mitten in der Nacht zu beginnen, bzw. die Nacht erst gar nicht schlafen zu gehen und somit quasi eine Nacht im Hotel zu verschenken, weil wir ja noch die Anfahrt aus Kaohsiung haben, verpassen wir also außer dem Mysuru Dagara noch ein weiteres spannendes und vor allem nicht alltägliches Spektakel auf dieser Reise. Man kann eben nicht alles haben. Dafür immerhin ausreichend Schlaf. Ein fairer Tausch. Vielleicht.

Nun heißt unser Ziel Ximending. Die kleine Insel ist bekannt für ihre Meeresschildkröten und wir hoffen natürlich, diese auch zu Gesicht zu bekommen. Doch der Ozean scheint es gut mit uns zu meinen. Als wir einen Badesstopp an einem der Strände einlegen und durch das flache Wasser waten, bewegt sich plötzlich ein riesiger Stein vor unseren Füßen. Überrascht bleiben wir stehen. Vor unserer Nase weidet eine riesige Meeresschildkröte völlig unbeeindruckt von uns an einem der Felsen im Gezeitenbecken. Gemächlich gleitet sie von Stein zu Stein. Mit Schnorchel und GoPro, immer auf Abstand bedacht, lege ich mich ins flache Wasser, um sie in Ruhe zu beobachten. Sie schaut mich an, stuft mich offenbar als harmlos ein und knabbert weiter. Als sie näher kommt, versuche ich mich zurück zu ziehen, schwappe aber an den nächsten Felsen, der gar keiner ist. Von hinten schiebt sich ein zweites dieser faszinierenden Urzeitwesen unter mir hindurch. Da das Wasser nur knietief ist, hebt es mich ein Stück an, um sich unter mir dann die Algen des nächsten Felsens schmecken zu lassen. So viel zum Abstand halten und nicht stören. Wahrscheinlich haben sie schon vor Millionen von Jahren Meditationskurse besucht. Anders ist diese innere Ruhe wohl nicht zu erklären. Und morgens halb sechs zum Drachenboot zu fahren, hätte man denen sicher auch bezahlen können.

Während ich mit den friedlichen Urzeitreptilien zwischenzeitlich per Du bin und gemeinsam mit den beiden meditativ im Strom des seichten Wassers hin und her schwappe, tut sich nur wenige Meter von uns entfernt plötzlich ein Loch auf, aus dem jede Menge asiatisch aussehende Besucher schlüpfen, umständlich durchs Wasser waten und auf dem Weg zum wartenden Ausflugsboot erste Schnorchelversuche wagen. Jedenfalls tun das zwei extra korpulente Exemplare. Währenddessen erklärt ihnen ein Guide lautstark, wo sich die Schildkröten normalerweise aufhalten und wie gut die Chancen stehen, sie heute zu sehen. Ich flüstere meinen Freunden zu, nicht so laut zu schmatzen, kurze Zeit später, dösen wir wieder in aller Ruhe dicht beieinander.

Tiefenentspannt

Und Yuna? Unsere Tochter ist völlig unterkühlt, hat doch das Wasser hier gerade einmal eine Temperatur von 28 Grad. Kein Wunder also, dass sie mehr Zeit am Strand verbringt, als in den eisigen Fluten 🤣 Welche Rabeneltern schicken ihre Kinder denn auch ans andere Ende der Welt, um sie dann in solch eine eine kalte Brühe zu jagen? Unverantwortlich 😇

8.2 Red Garden Resort – Eluan

Nach diesem großartigen Zwischenstopp fahren wir weiter bis zu unserer Unterkunft, dem Red Garden Resort. Schon die Ankunft fühlt sich an, als hätten wir ein kleines Stück Bali mitten in Taiwan entdeckt. Am Kenting-Nationalpark erwartete uns eine grüne Oase. Genau die Art von Unterkunft, an der man morgens vom Zwitschern der Vögel geweckt wird und abends lieber noch eine Weile draußen sitzt, weil einem die tropisch warme Luft so angenehm weich um die Beine streicht, es aber dann doch nicht macht, weil man anscheinend für die Moskitos ganz wunderbar nach tropischen Pflanzen duftet. Manchmal braucht es gar keinen Luxus. Hauptsache, das Bett ist bequem und morgens kräht nicht schon um fünf Uhr der Wecker oder eben der Papa 🫶🏼

8.3 Longpan Viewpoint – raue Romantik bei Wind und Wetter

Ausgeschlafen zieht es uns heute mit dem Mietwagen zum Longpan Viewpoint, einem der bekanntesten Aussichtspunkte an der Südostküste Taiwans. Schon die Fahrt dorthin soll ein Erlebnis sein.

Der Aussichtspunkt liegt im Kenting Nationalpark wischen Eluanbi und Fengchuisha. Eine weite Graslandschaft endet hier ganz abrupt an den steilen Klippen über dem Pazifik. Immer am Abgrund entlang schlängelt sich die Straße, mal mit Blick auf das tiefblaue Meer, mal durch grüne Hügel, auf denen der Wind das Gras wie Wellen hin und her bewegt. Wir steigen aus dem Auto und bekommen direkt zu spüren, wer für diese Landschaft verantwortlich ist. Unter uns tobt der Pazifik, um uns herum pfeift der Sturm. Ziemlich zügig versuchen wir, einen Weg nach unten zum Wasser zu finden, einen Weg im Windschatten der sandigen Felsen. Schon beim Abstieg sehen wir, dass Krathon auch hier fleißig zu Gange gewesen sein muss. Jede Menge Strandgut verteilt sich über die weite Fläche unterhalb der Steilküste. Ich finde einige Tonnen und fange an, Teile des vielen Plastikmülls hinein zu packen. Ein Herr freut sich, wir wären hier jederzeit willkommene Gäste, nur wenige Touristen würden sich hierher verirren und dabei aufräumen. Währenddessen wäscht er völlig unbekümmert und bestens gelaunt sein Quad im Meer.

Es hat angefangen zu regnen. Yuna und André sind schon fast zurück am Auto, wo ich immer noch dran bin, den herumliegenden Unrat einzusammeln. Doch langsam wird es ungemütlich und so sehe ich zu, schnellstmöglich zu den beiden aufzuschließen.

8.4 Kenting National Forest Recreation Area

Nach der spektakulären Küstenstraße gestern steht heute wieder etwas mehr Bewegung auf dem Programm. Unser Ziel ist die Kenting National Forest Recreation Area, ein geschützter Wald mitten im Nationalpark. Statt Meer erwartete uns dichter tropischer Wald, riesige Wurzeln, Lianen und ein angenehm schattiger Wanderweg. Nach dem gestrigen Sturm an der Küste, eine willkommene Abwechslung.

Nature Trail

Der Nature Trail führt durch eine Landschaft aus alten Korallenriff Felsen, kühle Höhlen und dichtem Dschungel. Riesige Bäume strecken ihre gewaltigen Wurzeln, die sich ihren Weg durch die Landschaft bahnen quer über den Wanderweg. Vögel zwitschern, Schmetterlinge flatterten durch die Luft, Zikaden machen wie üblich einen Höllenlärm und immer wieder raschelt es irgendwo im Unterholz. Wir machen ein Spiel draus: wer als erstes eine braune Echse sieht, bekommt einen Punkt, bunte Echsen geben fünf Punkte, Schlangen und Schildkröten je zehn Punkte. Hey, da ist ein Affe. Wieviele Punkte gibt eigentlich ein Affe? Daher also der Name: Cliff of Apes. Und wir dachten, der Name soll einfach interessanter klingen, als einfach nur „Viewpoint“. Von der Felskante aus haben wir jedenfalls einen beeindruckenden Ausblick über die dicht bewaldeten Hügel bis hinunter zum Meer. Ob mit oder ohne Affen, der Ausflug lohnt sich auf jeden Fall.

8.5 Kenting Night Market

Natürlich darf ein abendlicher Besuch auf dem Kenting Night Market nicht fehlen. Sobald die Sonne untergeht, füllt sich die Straße mit unzähligen Essensständen, kleinen Geschäften und Spielbuden. Überall blinkten Lichter, es duftete nach Gegrilltem, Süßem und Gewürzen, während aus allen Richtungen Musik und das Klackern der Spielautomaten zu hören sind.

Heute zieht uns als erstes der Hunger hierher. An einem merkwürdigen Gefährt, einer Art Rikscha mit eingebautem Steinofen ordern wir zwei Pizzen, setzen uns an den Straßenrand und beobachten das Treiben um uns herum.

Hühnerfüße? Bestimmt auch lecker 🙈

Nach dem Essen laufen wir die Straße entlang und schauen, was es sonst noch alles zu entdecken gibt. Magisch angezogen haben uns die Schießbuden Mit erstaunlich viel Eleganz schießen wir den Schaustellern die Haare zu Berge. Natürlich gehen wir nicht mit leeren Händen nach Hause. Auch Yuna schießt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Schließlich durfte nicht nur ein großer Wende Oktopus das Abenteuer Taiwan mit uns beenden, sondern auch noch eine flauschige Avocado. So haben wir auf der Heimreise diesmal anstatt eines taiwanesischen Nummernschildes nicht nur Farbwechsler und Mickymäuse dabei, sondern auch Pommes und Gemüse mit Gesicht.

Die neuen Mitreisenden.

Noch spannender ist meine Begegnung wenige Minuten später. Während wir gemütlich über den Nachtmarkt schlendern, spüre ich plötzlich etwas über meinen Fuß laufen. Ein kurzer Blick nach unten genügt: Eine riesige Kakerlake hat sich ausgerechnet meine nackten Füße als Abkürzung ausgesucht. Ich bin leicht verwundert, wie mutig die Tierchen hier doch sind aber froh, dass sie mir über den Fuß spaziert ist und nicht genau darunter. Die Kakerlake zeigt sich völlig unbeeindruckt und verschwindet seelenruhig in der Menge. Vermutlich gehört sie hier schon länger zur Belegschaft.

So endete unser Aufenthalt in Kenting mit einer Mischung aus Spiel, gutem Essen, einer gewonnenen Avocado und einer Kakerlake, die vermutlich bis heute überzeugt ist, dass Menschen hervorragende Laufstege sind. Irgendwie ein passender Abschluss für einen Ort, der uns jeden Tag aufs Neue überrascht hat.

9 Tag der Abreise

Unser letzter Tag in Taiwan ist angebrochen. Doch noch haben wir ein wenig Zeit, bevor unser Zug nach Taipei am Nachmittag fährt. Bevor wir den Mietwagen abgeben, fahren wir nach Checheng. Während ich hier am Strand noch ein paar ruhige Stunden genieße, Fotos mache und Kleintiere im Wasser beobachte, entscheiden sich meine beiden Lieblinge dazu, das Aquarium zu besuchen. Dieses liegt direkt hinter dem Strandabschnitt, an dem ich meine Zelte aufgeschlagen habe und so können wir uns von der Besucherterrasse aus sogar zuwinken.

Aquarium in Checheng

Am Nachmittag geben wir unseren Mietwagen zurück und steigen im den Hochgeschwindigkeitszug „Taiwan High Speed Railway“. So sauber, elegant und gesittet habe ich noch keine Zugreise vonstatten gehen sehen. Unter diesen Bedingungen würde ich mir sogar überlegen, in Deutschland wieder Zug zu fahren.

Um den Kampf gegen das Übergewicht unseres Koffers nicht erneut führen zu müssen, kaufen wir in einer nahegelegenen Mall schnell einen zweiten und teilen unser Gepäck auf. Schnell hätten wir gar nicht machen müssen, unser Flieger hat Verspätung. Anstatt 23:20 Uhr starten wir nun weit nach Mitternacht. Es ist bereits seit mehr als sieben Stunden dunkel und uns steht ein 14,5 h Flug bevor. 2,5 h länger, als auf der Hinreise, wo wir ja gegen die Erdrotation geflogen sind. Nach sehr vielen Stunden Nacht, wird am Horizont langsam ein lila Streifen sichtbar. Nun ist es nicht mehr weit, freut sich Yuna, die trotz „ganze Nacht Tablet Erlaubnis auf Langstrecke“ zum ersten Mal doch ein paar Hummeln im Hintern hat. Schließlich hatten wir ihr erzählt, wenn es hell wird, sind wir fast zuhause. Ich schalte den Monitor in der festen Überzeugung ein, dass wir bald landen.

Aserbaidschan?!?

Na klar, aufgrund der Verspätung geht die Sonne hier schon auf, logisch. Dummerweise sind wir jetzt aber noch weitere fünf Stunden in der Luft. Zum Glück schläft Yuna meistens bei der Landung ein und auch, wenn es noch gar nicht so weit ist, das Kindchen pennt ☺️

China Airlines – another night in the air

Sehr zerknautscht kommen wir schließlich doch irgendwann in Frankfurt an. Doch der nervigste Teil kommt erst noch. Am Zoll anstehen, warten, Gedränge, Kofferband, das dauert in Frankfurt immer besonders lange, den Fahrer anrufen, der uns zum Auto bringen soll, Kommunikationsschwierigkeiten usw. Endlich sitzen wir im Auto. Nun sind es nur noch 3,5 Stunden bis nach Hause in unsere Betten.

Hundemüde kommen wir an.

Und kriegen kein Auge zu 😅🙈🤣

Nach der Reise ist vor der Reise. In diesem Sinne, machts gut, bis zum nächsten Mal!

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