Taiwan 3 – Sonne Mond See
06.11.2024 · Taiwan
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11.10.2024 – 13.10.2024
3. Sonne Mond See

- 3.1 Hostel “ Yue Lake Backpackers”
Schon seit gestern hatte ich eigentlich überhaupt keine Lust mehr, zu dieser Unterkunft zu fahren, für die wir, trotz höflicher Nachfrage wegen der Taifun Warnung, die vollen 100% Storno Gebühren zahlen sollten, wenn wir nicht anreisen. Der pure Geiz, nicht woanders nochmal zahlen zu wollen und die Tatsache, dass Krathon noch immer nicht wie geplant auf Land getroffen ist, überreden uns schließlich, doch weiter zu fahren und die beiden Nächte am Seeufer zu verweilen. Wir stellen uns darauf ein, eine ruhige Zeit im Zimmer zu verbringen, weil das Wetter Außenaktivitäten nicht gerade wohlgesonnen sein würde. Empfang und Zimmer sind tatsächlich sehr nett, die Einrichtung ist ansprechend in japanischem Stil gestaltet. Im Garten zwischen tropischen Pflanzen erfüllt ein kleiner Teich seine Aufgabe als Brutplatz für Moskitos tadellos. So ist den Gästen ein authentisches Erlebnis der hiesigen Regenzeit garantiert.

Unser Abendspaziergang auf der Suche nach etwas Essbarem verläuft nicht ganz zufriedenstellend. Wir finden ein kleines Restaurant, in dem Yuna noch etwas trockenen Reis isst, momentan wird sie noch nicht so ganz warm mit der hiesigen Küche, schlendern am See zurück und stellen fest, dass Teile des Radweges, der direkt am Wasser lang führt, bereits abgesperrt sind. Etwas besorgt darüber, was unsere vollverglaste Hüttenwand einem Taifun entgegenzusetzen hat, kuscheln wir uns nach ein paar Minuten Wetterbericht auf Mandarin ins Laken. Einen Versuch war es wert, der kleine Mensch in der Mitte tendiert dazu, Decken innerhalb von Sekunden von uns zu strampeln. Dann halt ohne Laken, dafür einen Meter neben der Badezimmerrtür, welche aus einem Vorhang besteht und zuverlässig Licht und Gerüche nächtlicher Toilettenbesuche durch den Raum trägt.
- 3.2 Radtour per E-Scooter
Eigentlich davon überzeugt, den heutigen Tag im Zimmer zu verbringen, sind wir überrascht, dass es laut Wetter App einigermaßen trocken bleiben soll und wir trotz Weltuntergangsstimmung einen Fahrradverleih finden. Die nette Dame empfiehlt uns einen Scooter, also quasi ein Moped mit Pedalen, welche hauptsächlich den Sinn haben, dass man das Gefährt auch auf dem Radweg bewegen darf. Sie versichert uns, dass heute keine Gefahr besteht, unterwegs vom Sturm weggefegt zu werden, begleitet uns zu einer geöffneten Zufahrt zum gesperrten Teil des Holzsteges und so sind wir wider Erwarten tatsächlich wie geplant auf dem 33 Kilometer langen Weg um den Sonne Mond See. Hier sind wir fast unter uns. Einzelne Jogger oder Gassigänger begegnen uns freundlich grüßend, der See leuchtet stellenweise trotz des trüben Wetters in einem wunderschönen Türkis Ton, die Fahrräder fahren quasi von alleine. Das alles füllt den verloren geglaubten Tag mit neuem Leben. Taifun? Welcher Taifun?
Rund um den See befinden sich zahlreiche Tempel. Einige direkt am Weg, für andere muss man ein wenig bergauf radeln.
Eine besonders schöne Aussicht hat man von der Ci‘en Pagode auf dem Gipfel des Erlong Berges aus.


Es sind nur wenige Besucher hier an der Pagode, der Wind pfeift uns um die Ohren und den Gedanken an den Wirbelsturm wieder im Hinterkopf, halten wir uns nicht allzu lange hier auf. Der Himmel ist recht wolkenverhangen und so machen wir uns zügig wieder auf den Weg. Den größten Teil der Strecke legen wir nun auf der Straße zurück. Erstens, weil es schneller geht und zweitens, weil zwischendrin immer wieder Teile des Radwegs gesperrt sind. Hier unten ist der Wind wieder verschwunden, dafür fängt es an zu nieseln. Wir sehen zu, dass wir Land gewinnen. Plötzlich taucht zu unserer rechten Seite ein imposanter Tempel auf. Den dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Wir stellen die Scooter noch einmal ab und betreten den halb buddhistischen, halb taoistischen Gebäudekomplex durch ein großes dreigeteiltes Tor. Während wir begeistert von den Innschriften sind und eine Konfuzius Statue bewundern, schnorrt Yuna Fischfutter von chinesischen Gästen und füttert begeistert die vielen Koi Karpfen.


Der Regen wird stärker, jetzt aber los. Schnell zurück nach Yuchi, wo unser Hostel ist und die Scooter abgeben. Es kommt kein Taifun und so gehen wir nach dem wir uns ausgeruht und frisch gemacht haben, wie gewohnt auf Abendessen Jagd. Wie es jetzt aussieht, können wir morgen sogar weiter ziehen, da der Sturm sich extrem langsam vorwärts bewegt. Allerdings ist unser geplantes Ziel Alishan leider aus dem Rennen. Vorsichtshalber hat man den Nationalpark geschlossen. Die Fahrt mit der historischen Eisenbahn zum schönsten Sonnenaufgang des Landes fällt aus.
Jetzt heißt es, umplanen und verstecken spielen mit Krathon.

Teil 4: Taichung