Taiwan 7 – Kaohsiung
23.07.2026 · Taiwan
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7.1 Der Tag nach dem Sturm
Während wir Glück im Unglück hatten und Taifun Krathon gerade so entwischt sind, hatte die Stadt Kaohsiung weniger Spielraum und wurde mit voller Kraft von dem Unwetter getroffen. Doch während Krathon gestern noch mit heftigen Regenfällen und starken Winden für Ausnahmezustände gesorgt hatte, scheint heute bei unserer Ankunft schon wieder die Sonne, als wäre nichts gewesen. Am Straßenrand liegen noch die umgestürzten Bäume und wir sehen, wie die Einwohner mit allen Mitteln versuchen, wieder Ordnung ins Chaos zu bekommen. Die Natur hat wieder einmal gezeigt, wer hier das Sagen hat. Die Scheibe am Pool im Hotel The Treehouse fehlt, man schaut sechs Etagen nach unten in die Straßenschlucht, doch der Pool selbst ist gereinigt und darf benutzt werden. Überall auf den Fluren werden Teppiche geföhnt, der Fahrstuhl riecht, als hätte eine Fußballmannschaft ihn nach einem Spiel bei schwülen 35Grad über Nacht als Schuhschrank benutzt und die Auslegware vor unserem Zimmer beschert uns beim Betreten nasse Socken. Aber der Betrieb läuft, die Menschen sind an derlei Ausnahmezustände gewöhnt.
Nachdem wir ausgepackt und uns im Pool entspannt haben, darf ein Abendessen auf dem Nachtmarkt natürlich nicht fehlen. Zwischen dampfenden Garküchen, blinkenden Schildern und unzähligen Essensständen herrschte das pure Leben. Für Veganer ist die Suche nach einem passenden Gericht zwar manchmal eine kleine oder auch größere Herausforderung – no, it‘s no meat, it‘s chicken – , aber mit etwas Geduld wird man dann meistens doch fündig. Und selbst wenn nicht: Die vielen kuriosen Sachen zu entdecken, welche hier von Kindern und Erwachsenen aus unzähligen Greifautomaten geangelt werden und das bunte Treiben zu beobachten ist mindestens genauso spannend wie das Essen. Und am Ende finden sich in einem dieser Automaten auch noch je eine Plüsch Pommes für Yuna und mich.

Kaohsiung hat sich heute, so unmittelbar nach Krathon als Ort gezeigt, der sich von so einem ollen Wirbelsturm nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, sofort wieder auf den Füßen steht und seinen ganz eigenen, gelassenen Rhythmus findet.
7.2 Ausflug zur Insel Cijin
Heute ist uns nach etwas Gemütlichkeit, also entfliehen wir der Großstadt. Am Hafen buchen wir eine Überfahrt mit der Fähre zur Insel Cijin. Nur eine kurze Überfahrt später spazieren wir die Straße am Hafen entlang, auf der Suche nach einem tagesausflugstauglichen Gefährt für drei Personen. Wir entscheiden uns für ein Vierrad-Fahrrad für Freizeitaktivisten im Toy Story Look. Die Radwege sind gut ausgebaut, wenn auch vielerorts noch einige von Krathons Knüppeln den Weg zieren. Wir passieren den Leuchtturm, steigen allerdings nicht hinauf, sondern nehmen Kurs auf einen Fußgängertunnel, welcher unsere Aufmerksamkeit erregt. Er führt durch den Hügel bis zur Hafeneinfahrt und endet: vor Wasser. Also wieder zurück und immer der Nase nach. So viel tolles Treibholz, denke ich mir, man müsste mit einem Hänger anreisen. Schade drum! Die Sonne drückt, an einem Spielplatz machen wir Pause, verbrennen uns aber den Hintern am heißen Plastik und befinden den kleinen nahegelegenen Strand dann doch als besser geeignet, um unser Mittagessen zu verdrücken. Entlang der Promenade hatten wir jede Menge Stände mit Muscheln und anderen Meeresfrüchten, sowie einige Imbissbuden entdeckt, wo wir uns mit leckerem Kleinkram zum Schnabbulieren eindeckten. Zurück am Hafen gibt es für jeden noch ein Eis und dann steht auch schon die Fähre bereit, um Tagesbesucher wieder zum Festland zu befördern.

Als die Dämmerung einsetzt, spazierten wir am Hafen entlang. Das futuristische Kaohsiung Music Center leuchtete in wechselnden Farben und spiegelt sich gemeinsam mit den Hochhäusern im ruhigen Wasser. Bei Nacht wirkt es später sogar noch spektakulärer.

7.3 Lotussee – Wakeboarding
Vom The Tree House Hotel führte uns die Fahrt mit dem Mietwagen quer durch die Stadt. Der Verkehr wirk zunächst wie ein unberechenbares Chaos. Roller rauschen von allen Seiten heran, Autos wechselten scheinbar ohne Sinn und Verstand die Spur und trotzdem scheint jeder zu wissen, was er tut. Es funktioniert, irgendwie funktionierte es immer.
Am Lotussee angekommen, wartete allerdings eine kleine Überraschung auf uns. Die berühmte Tiger-Drachen-Pagode, das Wahrzeichen Kaohsiungs, wird ausgerechnet zu der Zeit renoviert, als wir unseren „Once in a lifetime“ Besuch geplant haben.

Also bleibt uns nur der Blick von außen auf die farbenfrohen Türme. Schade, denn eigentlich wollten wir den traditionellen Weg durch das Maul des Drachen hinein und durch den Tiger wieder hinaus gehen, um symbolisch das Unglück hinter uns zu lassen. Aber von einer geschlossenen Sehenswürdigkeit lassen wir uns nicht den Tag verderben. Schließlich umgeben den See noch jede Menge andere tolle Tempel und Pagoden. Außerdem zieht es uns aufs Wasser. Direkt am Lotussee befindet sich eine Wakeboard-Anlage und wir hatten für heute einen Kurs gebucht. Die Einweisung ist, sagen wir mal, ziemlich attraktiv. Das Wasser ist herrlich warm und auch, wenn wir die ersten Versuche, auf dem Brett zu stehen, mit totem Fisch auf dem Kopf – eher bedingt ein Werbefoto für die Wasserqualität, aber wir haben schon ganz andere Sachen spritzpupsfrei überstanden – anstatt mit Eleganz meistern, macht es unheimlich viel Spaß und am Ende stehen wir dann doch auf unseren Brettern und jubeln.


Unser letzter Stopp in Kaohsiung ist der Hamasen Railway Cultural Park. Wo früher Güterzüge den Hafen versorgten, flanieren heute Familien zwischen historischen Lokomotiven, Kunstinstallationen und alten Gleisen. Yuna rennt gemeinsam mit den einheimischen Kindern riesigen Seifenblasen hinterher, die im Licht der untergehenden Sonne in allen Farben leuchten, Pärchen sitzen auf de Wiese und die alten Bahnanlagen erzählen von der industriellen Vergangenheit der Stadt. Es ist eine dieser urbanen Oasen, in denen man sich auf Anhieb wohlfühlt.

Nächster Halt: Kenting