1.3 Nordmazedonien – Mavrovo Nationalpark
10.07.2026 · Griechenland
Du bist hier: Station 3 von 7 · ganze Route ansehen
- Animal Welfare Association Kalambaka "I Stegi" · Verein +30 6980907229 · Website
Donnerstag, 09.07.2026
3.1 Von Ohrid nach Mavrovo
Nach den letzten spannenden Tagen am Ohridsee heißt es heute, auf zu neuen Ufern. Unser nächstes Ziel ist der Nationalpark Mavrovo im Westen Nordmazedoniens. Die Strecke führt uns in nur zwei Stunden durch einige der schönsten Teile des Landes.
Schon kurz hinter Ohrid beginnt sich die Landschaft mehr und mehr zu erheben und wir gewinnen auf den kurvenreichen Bergstraßen stetig an Höhe.
Unser Ziel, die Unterkunft Apartment Suzanna liegt direkt am Mavrovo Stausee. Umgeben von bis zu 2000 Meter hohen Bergen und mit einer Tiefe von bis zu 48 Meter ist der zweitgrößte See des Landes ein beliebtes Feriengebiet. Im Sommer zum Wandern im Nationalpark, schwimmen und Kanu fahren, im Winter aufgrund seines angrenzenden Skigebietes Zare Lazarevski.

Als erstes spazieren wir zu der Stelle, wo das Postkartenmotiv der versunkenen Kirche aufgenommen wurde. Im Anschluss klettern wir ein Stück den Hang hinauf, wo wir ein kleines Häuschen mit einem Gitter entdeckt haben, hinter welchem sich eine Höhle befindet. Leider hängt ein Schloss vor der Tür und wir können nicht erkennen, wie oder wo man Zutritt erfragen könnte. Weiter bummeln wir zur Seilbahn, laut Internet bis 15:30 Uhr geöffnet, in Wirklichkeit eher nicht so. Wenn wir also nach oben wollen, müssten wir uns der Herausforderung des „Steep Acsent“ stellen. Nö, dann eher nicht 😎

Der See ist gar nicht so kalt, wie vermutet, die Luft auch nicht, trotz der Höhe. Bei einer Autorunde zum Staudamm, treffen wir auf ursprüngliches Landleben in Form einer Schaf- und Ziegenherde, die uns auf der Straße entgegen kommt. Einen Schäfer sehen wir nicht, die Tiere kennen ihre Wege. Genau wie die schönen großen Hunde, die uns freundlich begrüßen, als wir uns an einem kleinen Pancake Stand niederlassen. Hinter dem Sweet Spot kann man herrlich mit Blick auf die versunkene Kirche sitzen oder in Hängematten Körper und Seele baumeln lassen.
Wer mag kann, so wie ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit, mit den tollen Hunden kuscheln, die sich allesamt zutraulich an tierliebe Menschen schmiegen und sich über jede Streicheleinheit freuen.

Vielleicht haben wir ja Glück und sehen während unseres Aufenthaltes hier noch einen Bären. Im Sommer sollen sie auf der Suche nach Futter bis in den Ort kommen.

Freitag, 10.07.2026
3.2 Ärzte, Wasserfälle und schwimmende Kirchen
3.2.1 Der Tag erwacht
Im familiengeführten Apartment werden wir während unseres gesamten Aufenthalts hervorragend versorgt. Das Restaurant Glamur, das zum Apartment gehört, serviert uns am Abend ein leckeres Essen. Zum Frühstück dürfen wir uns wünschen, was wir gerne hätten. Wir entscheiden uns für Pancakes mit Nutella und Banane, was bei Yuna natürlich sofort für Begeisterung sorgt.

Auch wenn hier und da ein geschickter Handwerker noch einiges zu tun hätte, fühlen wir uns vom ersten Moment an wohl. Die herzliche Gastfreundschaft der Familie macht kleine Schönheitsfehler mehr als wett.
Auf Empfehlung von Suzanna machen wir uns anschließend auf den Weg zum Duf-Wasserfall. Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Die schmale, kurvenreiche Straße folgt einem glasklaren Gebirgsfluss und schlängelt sich durch ein sattgrünes Tal. Links und rechts ragen steile Felswände empor, dazwischen wechseln sich dichte Wälder, Wiesen und kleine Dörfer ab. Immer wieder möchte man Anhalten, nur um die Aussicht zu genießen.

3.2.2 Besuch im Hospital
Bevor unsere Wanderung beginnt, müssen wir allerdings noch einen kleinen Umweg einlegen. Seit einigen Tagen plagt mich ein hartnäckiger Tinnitus und auf einem Ohr höre ich nur noch schlecht. Deshalb suchen wir zunächst den Arzt auf, der sich laut Internet ganz in der Nähe unserer Unterkunft befinden soll.
Vor Ort erwartet uns allerdings eine Überraschung. Das Gebäude steht leer. Lediglich ein verwittertes Schild in kyrillischer Schrift weist darauf hin, dass die Praxis geschlossen wurde und der Vertretungsarzt inzwischen rund vierzig Autominuten entfernt praktiziert. Für einen kurzen Moment überlegen wir, dorthin zu fahren, entscheiden uns dann aber dagegen und fahren im Richtung unserer geplanten Wanderung.
Kurz vor dem Parkplatz entdecken wir allerdings ein Krankenhaus mit angeschlossener Apotheke. Spontan beschließen wir, unser Glück dort zu versuchen. Von außen wirkt das Gebäude etwas in die Jahre gekommen. Im Inneren fühlt man sich unweigerlich an längst vergangene Zeiten erinnert. Trotz der Rauchverbotsschilder liegt noch immer leichter Zigarettengeruch in der Luft und die Herren am Eingang wirken auf den ersten Blick eher wie Stammgäste als wie Patienten. Der erste Eindruck täuscht jedoch gewaltig.
Kaum schildere ich mein Problem, wird eine freundliche Ärztin gerufen. Ganz selbstverständlich untersucht sie mein Ohr, ohne nach Krankenversicherungskarte, Ausweis oder irgendwelchen Formularen zu fragen. Anschließend begleitet sie mich sogar persönlich in die Apotheke und erklärt der Apothekerin, welche Medikamente ich benötige. Für die Medikamente bezahle ich insgesamt etwas mehr als zehn Euro. Für die Untersuchung gar nichts. Nach nicht einmal fünfzehn Minuten stehen wir bereits wieder vor der Tür.
So unkompliziert und herzlich hätte ich mir einen Arztbesuch im Ausland nicht vorgestellt. Erleichtert und mit neuer Motivation machen wir uns nun endlich auf den Weg zum Duf-Wasserfall.

3.2.3 Duf Wasserfall
Der Wanderweg beginnt steil und führt zunächst durch die pralle Sonne. Doch bald schon erreichen wir schattigen Wald. Am Wegesrand erwartet uns ein Herr, welcher ein Ticketheft aus seiner Hosentasche zaubert. Hier, mitten im Nirgendwo zahlt man also den Eintritt. 😅
Wir wandern gut gelaunt weiter und schon nach wenigen Minuten begleitet uns das Rauschen eines Gebirgsbaches, der sich glasklar über Steine und kleine Kaskaden seinen Weg durch das Tal bahnt. Der Pfad ist abwechslungsreich, mal schmal und wurzelig, dann wieder breit und gut begehbar. Immer wieder überqueren wir kleine Holzbrücken und entdecken zwischen Farnen und moosbewachsenen Felsen kleine Wasserläufe.
Je näher wir dem Wasserfall kommen, desto lauter wird das Tosen des Wassers. Schließlich verdunkelt sich der Himmel und vor uns stürzt der Duf Wasserfall zwischen zwei steilen Felswänden mehrere Meter in ein natürliches Becken. Das Wasser glitzert in der Sonne, feiner Sprühnebel sorgt selbst an warmen Sommertagen für angenehme Abkühlung und ringsherum leuchtet das Grün der Vegetation besonders intensiv.
Wir setzen uns auf einen Felsen, lauschen dem Rauschen des Wassers und genießen einfach den Moment. Die Wanderung ist nicht besonders lang, aber aufgrund des unebenen und abschüssigen Geländes nicht ganz einfach, aber absolut lohnenswert. Nur die überhängenden Felsen, die jeden Moment im die Tiefe zu stürzen drohen, machen den Moment ein wenig zu aufregend, um allzu lange zu verweilen.

2.3.4 Schwimmende Kirchen
Am Nachmittag wartet eigentlich noch ein weiteres Abenteuer auf uns. Geplant ist eine Tour über den Mavrovo-See mit Kajak und Stand-up-Paddle – Board zur halb versunkenen Kirche St. Nikolaus. Doch das Wetter hat andere Pläne. Der Wind frischt immer stärker auf und der nette Herr vom Verleih meint, es sei zu windig für ein SUP – wollten ein Kajak und ein SUP mieten, weil er nur Kajaks für eine Person hat, was er aus Sicherheitsgründen aber des Windes wegen nicht für Yuna empfiehlt. Vernünftig ist das allemal, auch wenn wir zunächst etwas enttäuscht sind.
Während Yuna sich lieber in unserem Zimmer entspannt, wollen wir uns die Kirche vom Wasser aus trotzdem nicht entgehen lassen. Eigentlich ist es zu kühl, aber André drängt etwas darauf, dass ein Foto von mir auf einem der im Wasser vor der Kirche stehenden Pfeiler toll wäre. So taste ich mich langsam vorwärts und stelle zu meiner Überraschung fest, das Wasser ist gar nicht so kalt, ganz im Gegenteil. Ist man einmal drin, wirkt die Luft um einiges kühler.

Seit der Stausee in den 1950er-Jahren angelegt wurde, steht sie je nach Wasserstand mal mehr, mal weniger im Wasser. Gerade dieser Umstand macht ihren besonderen Reiz aus. Die alten Steinmauern rufen förmlich danach, zu ihnen zu schwimmen.

Nach einigen Fotos, auf denen ich vor der Kirche stehend auf den Pfeilern posiere, umrunde ich diese und erkunden sie aus nächster Nähe. Es fühlt sich irgendwie surreal an, auf Höhe der zweiten Etage um eine Kirche zu schwimmen. Wieder auf der Vorderseite angekommen stelle ich fest, dass sich auch zwei junge irische Männer ins Wasser getraut haben. Wir finden eine Leiter an der Außenseite der Kirche, klettern hinauf und sehen, dass die Tür nicht verschlossen ist. Während einer der beiden im die Kirche taucht, halte ich von oben Wache. Schließlich überwindet sich auch André dazu, in das wirklich angenehme Wasser zu steigen. Die beiden Iren sind zwischenzeitlich im Inneren der Kirche verschwunden. Nach einer weiteren Runde im angenehm temperierten Mavrovo Stausee, schnappen wir unsere Sachen und fahren zurück zu Yuna.
Nicht jeder Plan während einer Reise geht auf. Doch manchmal entstehen aus einer spontanen Idee genau die Erlebnisse, an die man sich später am liebsten erinnert. Der ausgefallene Kajakausflug war am Ende unser Glück, denn wie oft hat man schon die Gelegenheit, in eine halb versunkenen Kirche zu schwimmen?
Nach dem Abendessen gehen wir schlafen, morgen früh ist die Nacht zu Ende. Ein langer Tag steht uns bevor.